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Gundermann

GUNDERMANN erzählt von einem Baggerfahrer, der Lieder schreibt. Der ein Poet ist, ein Clown und ein Idealist. Der träumt und hofft und liebt und kämpft. Ein Spitzel, der bespitzelt wird. Ein Weltverbesserer, der es nicht besser weiß. Ein Zerrissener. GUNDERMANN ist Liebes- und Musikfilm, Drama über Schuld und Verstrickung, eine Geschichte vom Verdrängen und Sich-Stellen. GUNDERMANN ist ein Film über Heimat. Er blickt noch einmal neu auf ein verschwundenes Land. Es ist nicht zu spät dafür. Es ist an der Zeit.

Filmplakat

Mit feinem Gespür, Zärtlichkeit und Humor wirft Regisseur Andreas Dresen in GUNDERMANN einen Blick auf das Leben von Gerhard „Gundi“ Gundermann, einem der prägendsten Künstler der Nachwendezeit. Er starb 1998, mit gerade einmal 43 Jahren. Das Drehbuch stammt von Laila Stieler. Die Hauptrolle spielt Alexander Scheer, der alle Lieder im Film selbst eingesungen hat. Anna Unterberger steht als seine Frau Conny Gundermann vor der Kamera. In weiteren Rollen sind unter anderem Axel Prahl, Thorsten Merten, Bjarne Mädel, Milan Peschel, Kathrin Angerer und Peter Sodann zu sehen.

Weitere Informationen findet ihr hier im Presseheft und den Trailer könnt ihr euch hier anschauen.

Datum: 8. Februar - 20.00 Uhr

Eintritt: 5 Euro

 

Pressestimmen:

„Es war ein langer Weg bis zu diesem Film, der längste wohl, den der Regisseur Andreas Dresen je gegangen ist. Am Donnerstag kommt „Gundermann“ in die Kinos, sein vielleicht wichtigster Film, sein lautester und leisester zugleich, einer der schönsten in jedem Fall.“ Tagesspiegel
„Dresen ist mit »Gundermann« vielleicht sein wichtigster Film gelungen: Er erklärt die DDR-Geschichte auf eine Weise, die zur Selbsterkenntnis von Ost und West gleichermaßen führen könnte - jenseits aller Rechthaberei.“ Neues Deutschland

„Was für eine Schau: Alexander Scheer spielt den Sänger Gerhard Gundermann“ Focus

„In Gundermann gräbt Dresen sich in die Erde eines verschwundenen Landes. Und was er dabei zutage fördert, ist ziemlich aufregend“ DER SPIEGEL

„Gerade mit diesem kraftvollen Bekenntnis zur Zerrissenheit entfaltet „Gundermann“ seine tief berühende Wirkung. Herausragend“ Frankfurter Neue Presse

„Ein kluger, aufrichtiger und bewegender Musikfilm über ein gelebtes Leben mit all seinen Idealen, Verstrickungen, Enttäuschungen. Es ist Zeit für solche Filme über die DDR.“ radio eins

"Gundermann rechtfertigt das nicht, der Film liefert auch keine einfache Erklärung. Aber er zeigt, dass es nicht nur Täter und Opfer gab, schwarz und weiß, böse und gut, sondern das ganze große Feld dazwischen. Und jeder kann sich fragen: Was hätte ich getan? Zudem kann man eintauchen in das Universum von Gundermanns unvergleichlichen Texten, lakonisch und zärtlich, poetisch und zeitlos" ntv

„Gundermann ist einer der reichsten, differenziertesten, tollsten Filme über die DDR. Und vielleicht der beste, den Dresen je gemacht hat, weil sich dessen Menschenfreundlichkeit hier am Ende nicht auf dem Parkplatz der Versöhnung abstellen lässt. Es bleibt etwas offen in Gundermann.“ SPIEGEL online

„Gundermann ist ein Geschenk. Eine Zeitmaschine, die Einblicke gewährt in einen Menschen und in ein System. Aus diesem Film kommt man klüger raus" Braunschweiger Zeitung

Dieses außerordentliche Biopic, das uns schon in den ersten Minuten vergessen lässt, dass es eines ist, weil nichts Nachgeahmtes darin steckt, ist ein kleines Wunder. Als hätte jemand die eine, fehlende Filmkopie der ostdeutschen Filmgeschichte ins Bundesarchiv geschummelt, in der sich die DDR in all ihren Widersprüchen selbst darstellte. Frankfurter Rundschau


Über die Person: GERHARD GUNDERMANN

Gerhard „Gundi“ Gundermann wird 1955 in Weimar geboren. Die Eltern ziehen mit ihm nach Hoyerswerda, ins Zentrum des Lausitzer Kohlereviers zwischen Dresden und Cottbus. Nach dem Abitur beginnt er ein Studium an der Offiziershochschule Löbau. Er wird exmatrikuliert, arbeitet zunächst als Hilfsarbeiter und erwirbt sich dann die Qualifikation zum Maschinist für Tagebaugroßgeräte in der Lausitzer Braunkohle. Schon in dieser Zeit ist er Texter und Schlagzeuger der Band „Brigade Feuerstein“ – allerdings ohne Mitgesangserlaubnis. Nach der Auflösung der „Feuersteine“ folgen ab 1986 erste Soloauftritte und -projekte.

Die Arbeit als Baggerfahrer im Braunkohletagbau und sein Alltag liefern Gundi die Ideen für seine Songs und Stücke, die sich oft mit dem Leben der Arbeiter und der „einfachen Menschen“, mit seiner Familie, mit Umweltproblemen und seiner Heimatstadt Hoyerswerda („Hier bin ich geboren“, „Hoywoy“) beschäftigen. In der Wendezeit 1989/90 mischt er sich aktiv in die Ereignisse des politischen Umbruchs ein. 1992 gründet er seine Band mit dem bewusst provokanten Namen „Seilschaft“, mit der er bis 1998 seine Auftritte bestreitet und unter anderem als Support bei Konzerten von Bob Dylan und Joan Baez auftritt. Mit der Album-Tournee „Einsame Spitze“ (1992), deren Einspielung die Musiker der Band „Silly“ übernehmen, erreicht Gundermann schlagartig erstmals eine größere Öffentlichkeit.

Neben seiner musikalischen Karriere arbeitet Gundermann immer parallel als Baggerfahrer. Er tut das bewusst, um sich seine Unabhängigkeit von der Musikindustrie zu bewahren. 1997 wird auch er arbeitslos, ebenso wie Tausende vor ihm. Die Grube Brigitta ist schon lange geschlossen, Gundermann hat nicht mal mehr einen Beruf: Maschinist für Tagebaugroßgeräte steht auf der Liste von 160 Berufen, die im Westen gar nicht existieren. Er beginnt eine Umschulung zum Tischler, tritt mit seinem neuen Soloprogramm auf und spielt die CD „Engel über dem Revier“ ein. Dies sollte sein letztes Projekt sein. Die jahrelange Doppelbelastung durch Schichtarbeit und Konzerte fordern ihren Tribut. Am 21. Juni 1998, im Alter von nur 43 Jahren, stirbt er in Spreetal (bei Hoyerswerda) an einer Gehirnblutung.

Politisch war Gundermann (und ist es bis heute) umstritten: Er war Mitglied der SED, wurde allerdings 1978 „wegen unerwünschter eigener Meinung“ ausgeschlossen. Nach Protesten wurde dieser Ausschluss in eine strenge Rüge umgewandelt. 1976 wurde er vom Ministerium für Staatssicherheit als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) unter dem Decknamen Grigori angeworben. 1984 folgte ein erneuter Ausschluss aus der SED, im gleichen Jahr auch von der Stasi wegen „prinzipieller Eigenwilligkeit“. 1995 wurde Gundermanns Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit öffentlich. Gundermann selbst stellte sich seiner Vergangenheit, outete sich auf der Bühne während eines Konzerts und setzte sich in einem Interview mit seiner Rolle als Spitzel auseinander („Nie mehr: Der Zweck heiligt die Mittel“, Lausitzer Rundschau, Mai 1995). Gundermann gehörte – immer im Spagat zwischen Bagger und Bühne – zu den prägenden wie populärsten Künstlern und Musikern der Nachwendezeit. Sein plötzlicher Tod löste tiefe Trauer und Fassungslosigkeit aus. Die Kulturfabrik Hoyerswerda widmete ihm anlässlich seines zwanzigsten Todestages ein eigenes Gundermann Archiv, die sogenannte „Gundermann-Schaltzentrale“, die mit Texten, Videos, Musikdateien und Fotografien an seine Musik und seine Bedeutung weit über die Stadtgrenzen hinaus erinnert.

  • Datum: 8. Feb. - 20.00 Uhr

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